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Umsatzsteuer in Polen
Value added tax (VAT)
Die Republik Polen zählt mit seinen etwa 38 Millionen Einwohnern zu den großen Ländern in Europa. An das Land grenzen im Westen Deutschland, im Süden die Tschechei und die Slowakai, im Osten die Ukraine, Weißrussland und Litauen und im Norden Russland und die Ostsee. Obwohl ein Großteil der Fläche von Gebirge eingenommen wird, hat die Landwirtschaft eine große wirtschaftliche Bedeutung. Zwar trägt sie mit nur etwa 4% eine relativ geringen Anteil zum Bruttoinlandsprodukt bei, jedoch sind etwa 15% der Bevölkerung in diesem Wirtschaftszweig beschäftigt. Führend ist allerdings der Dienstleistungssektor mit etwa 63%. Aber auch der Industriesektor hat seit der Einführung der Marktwirtschaft 1989 gewaltige Fortschritte gemacht. Seit dem Beitritt in die EU im Jahr 2004 hat sich das internationale Handelsvolumen mehr als verdoppelt. Die Handelsbilanz weißt sogar einen leichten Überschuss auf, was auf eine äußerst leistungsfähige Exportindustrie zurückzuführen ist.
Die Umsatzsteuer, in der Landessprache “Value added tax” oder kurz “VAT” genannt, wurde in Polen 1993 mit einem relativ hohen Steuersatz von 22% eingeführt. Daneben galten der ermäßigte Steuersatz von 7% und der stark ermäßigte Steuersatz von 3%. Zwar erfolgte mit dem Beitritt in die EU eine Neuausrichtung der Umsatzsteuergesetze vor allem im internationalen, aber auch teilweise im inländischen Warenverkehr, eine Anhebung wurde aber lediglich zum Beginn des Jahres 2011 beschlossen. Seither beträgt der normale Steuersatz 23%, der ermäßigte Steuersatz 8% und der stark ermäßigte Steuersatz 5%.
- Der ermäßigte Steuersatz von 8% wird beispielsweise erhoben auf
- Nahrungsmittel
- Arzneimittel
- Medizinische Geräte
- Personenbeförderung
- Zeitungen
- kulturelle Veranstaltungen
- Hotel- und Restaurantdienstleistungen
- Der stark ermäßigte Steuersatz von 5% findet zum Beispiel Anwendung bei
- teilweise Nahrungsmittel
- Bücher
- Zeitschriften
- landwirtschaftliche Güter
Daneben sind einige Dienstleistungen von der Mehrwertsteuer befreit. Darunter fallen zum Beispiel Sozialdienstleistungen, Finanzdienstleistungen, Versicherungen und Bildung.
Die Umsatzsteuer ist in Polen von jedem Unternehmer monatlich anzumelden, und spätestens bis zum 25. des Folgemonats zu begleichen. Längere Anmeldefristen, selbst bei kleinen Beträgen, sind nicht vorgesehen.
Wie bereits erwähnt betreibt Polen einen regen Außenhandel, wobei die Haupthandelspartner die EU-Länder Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Tschechien. Unter den Drittländern nimmt Russland die wichtigste Stellung ein. Die wichtigsten Exportzweige sind der Maschinenbau, die Nahrungsmittelindustrie und Chemikalien. Mittlerweile zählt Polen mit zu den führenden Handelsnationen weltweit.
Bei Exporten in Drittländer fällt in Polen keine Mehrwertsteuer an. Bei innergemeinschaftlichen Lieferung und Leistungen wird die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer – in der Landessprache “Numer Identyfikacji Podatkowej” oder kurz “NIP” genannt – benötigt. Wie im EU-Verkehr üblich wird mit dieser Nummer eine Umkehr der Steuerschuld und somit eine steuerfreie Lieferung ermöglicht.
Entwicklung der Steuersätze
| Zeitraum | Normalsatz | Ermäßigter Satz | Stark ermäßigter Satz |
|---|---|---|---|
| 08.01.1993 – 31.12.2010 | 22% | 7% | 3% |
| seit 01.01.2011 | 23% | 8% | 5% |
